Wer darf was? Coaching, Beratung & Psychotherapie in Deutschland
- Anne Buhmann
- 11. Aug. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Dez. 2025

Im Laufe des Lebens geraten wir alle an Punkte, an denen es schwierig wird – mit uns selbst oder im Umgang mit unserer Umwelt und anderen Menschen. Manches klärt sich von allein, doch manchmal werden die Dinge eher schwerer, statt leichter. Dann kann es sehr entlastend sein, sich Unterstützung von außen zu holen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt und an wen kann man sich wenden? Der Markt ist groß: von Coaches, die ihre eigenen Erfahrungen weitergeben, über professionell ausgebildete Lebensberater:innen, bis hin zu Psycholog:innen und approbierten Psychotherapeut:innen. Manche Berufsbezeichnungen sind frei wählbar, andere streng geschützt. Und nicht jeder darf alles machen. Um in diesem Dschungel Orientierung zu schaffen, gebe ich dir hier einen Überblick, wer in Deutschland welche Aufgaben übernehmen darf und wo die Grenzen liegen.
Life-Coach
Coaches und Lebensberater:innen unterstützen bei Themen wie Stressmanagement, Berufsfindung oder Lebensorganisation.
Sie dürfen keine Heilbehandlung durchführen oder psychische Störungen behandeln. Zugelassene Leistungen sind u. a. persönliche Ressourcenarbeit, Entspannungsmethoden und Konfliktstrategien.
Achtung: Die Berufsbezeichnung „Coach“ ist nicht gesetzlich geschützt – jeder darf sich so nennen.
Unklare gesetzliche Lage – aber hohe Vielfalt:
Der Begriff „Coach“ ist in Deutschland rechtlich nicht geschützt. Grundsätzlich darf sich also jede:r so nennen, unabhängig von Ausbildung oder Qualifikation. Diese Freiheit führt zu einer großen Vielfalt an Angeboten, von sehr professionell bis unseriös.
Qualität durch Verbandszertifikate:
Umso wichtiger sind daher anerkannte Zertifizierungen, die Orientierung bieten, wie zum Beispiel:
DBVC (Deutscher Bundesverband Coaching e. V.): Fokussiert auf Business Coaching und Leadership; gilt als Leuchtturm für Qualität im deutschsprachigen Coaching-Markt ..
DGSv (Deutsche Gesellschaft für Supervision und Coaching e. V.): Wissenschaftlicher Fach- und Berufsverband für Supervisor:innen und Coach:innen mit über 4.500 Mitgliedern; pflegt Qualitätsstandards auf akademischer Basis .
BDP (Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen): Zertifikate „Coach BDP“ und „Senior Coach BDP“ setzen voraus, dass ein Psychologiestudium abgeschlossen wurde – damit sind sie besonders fundiert und psychologisch reflektiert
Woran gute Coaches u.a. zu erkennen sind:
Seriöse Coaches zeichnen sich unter anderem durch folgende Merkmale aus:
Mitgliedschaft und Zertifizierung in etablierten Verbänden (ICF, DBVC, DVCT, DGSv, BDP, QRC)
Nachweisbare Ausbildung und Erfahrung (z. B. Fachgespräch)
Auf Nachfrage kann die Person ihre konkrete Vorgehensweise schildern und über die verwendeten Methoden und theoretischen Ansätze Auskunft geben.
Transparente Verträge und individuelle Begleitung; kein finanziellem Druck im Erstkontakt
Fazit
Coaching ist kein geschützter Beruf – die Qualität liegt in der Herkunft: seriöse Ausbildung, zertifiziertes Fachwissen und ethische Standards machen den Unterschied. Wenn du Wert auf fundierte Methoden und individuelle Begleitung legst, bieten Coach:innen mit anerkannten Verbandszertifikaten eine verlässliche Orientierung.
Psycholog:innen
Ausbildung & Titel:
Die Berufsbezeichnung „Psychologin“ bzw. „Psychologe“ ist in Deutschland geschützt. Der Verband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) ist ein Berufsverband, der die Berufsbezeichnung "Psychologe" als geschützt betrachtet, da sie nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs nur von Personen geführt werden darf, die ein Psychologiestudium (Diplom oder Master) abgeschlossen haben.
Das Studium vermittelt wissenschaftliche Kenntnisse in Statistik, Diagnostik, Forschung, Klinischer Psychologie, Entwicklungspsychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie u. v. m.
Ein Bachelorabschluss allein reicht nicht für die Titelführung „Psychologe/in“.
Tätigkeitsfelder:
Psycholog:innen können in vielen Bereichen arbeiten, u. a.:
Klinische Psychologie (z. B. Diagnostik, Beratung, Forschung)
Wirtschaft & Personal (z. B. Personalentwicklung, Eignungsdiagnostik)
Gesundheitspsychologie (z. B. Prävention, Gesundheitsförderung)
Forschung & Lehre
Verkehrspsychologie (z. B. MPU-Gutachten)
Wichtige Abgrenzung zur Psychotherapie:
Ein Psychologieabschluss allein berechtigt nicht zur Ausübung von heilkundlicher Psychotherapie im Sinne des Psychotherapeutengesetzes.
Um psychische Störungen mit Krankheitswert behandeln zu dürfen, ist eine Approbation nötig – erlangt durch eine mehrjährige Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin / zum Psychologischen Psychotherapeuten.
Was Psycholog:innen dürfen:
Psychologische Diagnostik (z. B. Intelligenz-, Persönlichkeits- und Leistungstests)
Beratung zu nicht-krankheitswertigen Problemen (z. B. Stress, Konflikte, Entscheidungsfindung)
Forschung und Gutachten in ihrem Fachgebiet
Präventionsprogramme und Schulungen zu psychischen Gesundheitsthemen
Was Psycholog:innen nicht dürfen (ohne Approbation oder Heilpraktikererlaubnis).
Behandlung von psychischen Störungen mit Krankheitswert
Ausstellung von Krankschreibungen
Verordnung von Medikamenten
Kassenerstattung:
Leistungen von Psycholog:innen ohne Approbation werden nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Heilpraktiker:innen für Psychotherapie
Heilpraktiker:innen für Psychotherapie verfügen über eine staatliche Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz (§ HeilprG), um psychische Störungen zu behandeln. Eine akademische Ausbildung ist hierfür nicht vorgeschrieben – einige verfügen jedoch über ein Hochschulstudium oder andere fundierte Qualifikationen. Als Klient:in lohnt es sich daher, vorab genau zu recherchieren, welche Ausbildung, Erfahrung und Schwerpunkte die jeweilige Person mitbringt (das ist im Selbstzahler:innen-Bereich immer eine sinnvolle Idee).
Es gibt keine Kassenzulassung: Die Kosten müssen in der Regel selbst getragen werden; nur manche private Zusatzversicherungen erstatten anteilig. Heilpraktiker:innen dürfen ihre Methoden frei wählen – darunter auch Ansätze, die nicht wissenschaftlich evidenzbasiert sind – und unterliegen nicht den gleichen gesetzlichen Berufsregelungen wie approbierte Psychotherapeut:innen. Daher ist es besonders wichtig, sich vorab über Arbeitsweise und Qualifikationen zu informieren.
Psychotherapeut:innen (psychologisch & ärztlich)
Geschützte Berufsbezeichnung: Nur approbierte Psychologische Psychotherapeut:innen und Fachärzt:innen (Psychiater:innen, psychosomatische Ärzt:innen) dürfen sie führen.
Psychologische Psychotherapeut:innen: Studium der Psychologie, danach mehrjährige Weiterbildung (3–5 Jahre) plus Approbation. Erst dann dürfen sie psychische Störungen mit evidenzbasierten Verfahren behandeln (z. B. Verhaltenstherapie, Systemische Therapie, Psychoanalyse).
Fachärzt:innen (Psychiater:innen, psychosomatische Medizin): Nach dem Medizinstudium folgt die Facharztweiterbildung inklusive Psychotherapie. Sie dürfen zusätzlich Medikamente verordnen, Einweisungen ausstellen und stationäre Behandlungen vornehmen.
Kassenzulassung: Psychotherapeut:innen mit Approbation können eine Kassenzulassung beantragen – dann werden die Leistungen von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Dies erfordert oft eine Wartezeit und hängt von regionalen Versorgungslagen ab.
Ich hoffe, dieser Überblick hat dir geholfen, die verschiedenen Berufsbezeichnungen und ihre Möglichkeiten besser einzuordnen. Welche Unterstützung für dich passt, hängt immer von deinem persönlichen Anliegen ab. Gerade bei Angeboten, die selbst bezahlt werden müssen, ist es wichtig, sich im Vorfeld genau über die Qualifikation und den Hintergrund der jeweiligen Person zu informieren. Ein guter Hinweis auf Seriosität: Fachlich fundierte Coaches, Berater:innen oder Therapeut:innen versprechen keine Wunderheilung – wer dir garantiert, „alle Probleme lösen“ zu können, arbeitet in der Regel nicht professionell. Vertraue daher auf klare Informationen, nachvollziehbare Qualifikationen und dein eigenes Bauchgefühl.
Wenn du hierzu Fragen hast, dann melde dich gerne bei mir.
Schreib in die Kommentare, welche Erfahrungen du bisher machen konntest.



Kommentare