Teil I - Sanft ins neue Jahr: Ziele setzen, die zu dir passen
- Anne Buhmann
- 1. Jan. 2026
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Jan.

Warum klassische Vorsätze oft scheitern
Der Jahreswechsel bringt für viele Menschen das Bedürfnis mit, etwas zu verändern. Mehr Bewegung, weniger Bildschirmzeit, achtsamer leben, endlich regelmäßig meditieren – die Liste ist oft lang. Doch du kennst es vielleicht selbst: Die guten Vorsätze fühlen sich anfangs motivierend an, doch schon nach wenigen Wochen ist der Alltag wieder da. Und das Ziel? Irgendwo auf der Strecke geblieben.
Das ist kein persönliches Scheitern, sondern ein psychologisch gut erklärbares Phänomen. Unser Gehirn arbeitet gern mit bekannten Wegen. Gewohnheiten (selbst belastende) sind dem Gehirn vertraut und daher “einfacher” zu aktivieren. Neue Muster müssen hingegen erst durch Wiederholung gefestigt werden. Das braucht Energie, Zeit und Geduld.
Oft kommen noch zwei weitere Hürden dazu:
Ziele werden zu vage formuliert (“Ich will gesünder leben”)
oder sie sind zu weit weg vom eigenen Alltag (“Ich gehe ab sofort jeden Tag ins Fitnessstudio”)
Beides macht es schwierig, dranzubleiben und erzeugt unnötigen Druck.
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Ziele können motivieren aber auch belasten
Ziele haben durchaus eine positive Funktion: Sie geben Richtung, Orientierung und können motivieren. Gleichzeitig können sie auch Stress, Frust oder inneren Druck auslösen, vor allem dann, wenn sie zu hochgesteckt, unrealistisch oder nicht in die persönliche Lebensrealität eingebettet sind.
Deshalb ist es hilfreich, dir vor der Formulierung eines Ziels bewusst folgende Fragen zu stellen:
Wie viel Zeit müsste ich täglich aufbringen?
Steht mir diese Zeit realistisch zur Verfügung, auch an schwierigen Tagen?
Würde dieses Ziel mein Leben bereichern oder fühlt es sich eher an wie eine weitere To-do?
Ein Ziel ist nur dann sinnvoll, wenn du auch die Ressourcen hast, es zu verfolgen. Andernfalls führt es schnell zu dem Gefühl, nicht gut genug zu sein und genau das wollen wir vermeiden.
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Motivation verstehen: Für wen und warum?
Bevor du dir ein Ziel setzt, frag dich:
Warum möchte ich das eigentlich?
Und: Für wen tue ich das?
Manchmal stecken hinter einem Vorsatz gar nicht unsere eigenen Bedürfnisse, sondern Erwartungen anderer. Vielleicht willst du abnehmen, weil du dich unter Druck gesetzt fühlst. Oder aufhören zu rauchen, weil es „man eben so macht“.
Doch Vorsätze, die sich an äußeren Maßstäben orientieren, sind oft schwerer durchzuhalten, weil sie emotional nicht mit dir verbunden sind. Veränderung gelingt nachhaltiger, wenn sie von innen kommt: Was würde sich für dich persönlich verändern, wenn du dein Ziel erreichst?
Beispiel:
Statt „Ich will abnehmen“ – „Ich möchte mich leichter und beweglicher fühlen, um wieder unbeschwert mit meinen Kindern spielen zu können.“
Das ist nicht nur konkreter, sondern auch näher an dem, was dir wirklich wichtig ist.
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Ziele klar formulieren mit der SMART-Methode
Ein bewährtes Modell, um Ziele sinnvoll zu formulieren, ist die SMART-Methode. Sie hilft dir dabei, aus einem Wunsch eine machbare Absicht zu machen:
Spezifisch: Was genau willst du erreichen?
Messbar: Woran wirst du merken, dass du Fortschritte machst?
Attraktiv / Relevant: Ist das Ziel für dich persönlich bedeutsam?
Realistisch: Ist es im Rahmen deines Alltags überhaupt umsetzbar?
Terminiert: Bis wann möchtest du es geschafft haben?
Beispiel:
Statt „Ich will mehr lesen“:
„Ich lese ab dem 10. Januar jeden Abend 20 Minuten vor dem Schlafengehen in einem Buch, das mich interessiert.“
➡ Das Ziel ist klar, überprüfbar und in deinen Alltag eingebettet.
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Neue Muster etablieren: Wiederholung und Geduld
Veränderung braucht Wiederholung und Geduld. Das Gehirn liebt Routinen, weil sie weniger Energie kosten. Genau deshalb kann es oft hilfreicher sein, kleine, konkrete Handlungen regelmäßig zu wiederholen, statt große Vorsätze zu fassen, die kaum in den Alltag passen.
Wenn-Dann-Pläne können helfen:
„Wenn ich morgens meinen Kaffee trinke, schreibe ich drei Dinge auf, für die ich dankbar bin.“
„Wenn ich Feierabend habe, gehe ich eine Runde um den Block, bevor ich mich aufs Sofa setze.“
Diese Verknüpfungen machen es dem Gehirn leichter, neue Gewohnheiten zu automatisieren, ganz ohne großen Kraftakt.
Und: Klein starten heißt nicht klein denken.
Wenn du dich jeden Tag auch über kleine Fortschritte freust, gibst du deinem Gehirn positive Rückmeldung. Das stärkt dein Durchhaltevermögen und hilft dir, dranzubleiben, selbst wenn du mal einen Tag auslässt.
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Ziele mit Sinn und innerem Kompass verbinden
Ziele dürfen mehr sein als nur To-dos. Sie dürfen Ausdruck deiner Werte sein. Wenn du dich nach mehr Ruhe, Leichtigkeit oder Selbstwirksamkeit sehnst, darf dein Ziel ein Weg dorthin sein, kein Muss, sondern eine freundliche Einladung an dich selbst.
Beispiel:
Statt „Ich will weniger Zeit am Handy verbringen“:
„Ich möchte meine Zeit bewusster gestalten, weil mir echte Begegnungen wichtiger sind als Likes.“
Wenn du dein Ziel mit deinem persönlichen „Warum“ verknüpfst, wächst nicht nur die Motivation, du bleibst dir selbst auch eher treu, selbst wenn es mal nicht ganz so klappt.
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Fazit: Dein neues Jahr darf zu dir passen
Ein gelungener Jahresstart muss kein perfekter Neuanfang sein. Und Ziele müssen nicht streng, groß oder sichtbar für andere sein.
✨ Vielleicht ist dein Ziel:
„Ich nehme mich selbst ernster.“
„Ich gönne mir mehr kleine Pausen.“
„Ich sage öfter Nein, wenn mein Bauchgefühl Nein sagt.“
Was auch immer es ist, es darf zu dir, deinem Tempo und deinem Leben passen. Du darfst wachsen, scheitern, anpassen und dich neu ausrichten. Veränderung ist ein Prozess, kein Sprint.
Und manchmal sind Routinen wichtiger als Ziele.
Sie geben Halt, reduzieren Stress, sparen Energie und wirken oft gerade dann, wenn du wenig Kraft hast.
Wenn du also etwas verändern willst, frag dich nicht nur: Was will ich erreichen?
Sondern auch:
Was kann ich heute schon tun, damit mein Alltag mehr zu dem passt, was mir wichtig ist?
Erfahre in dem Beitrag "Teil II - Sanft ins neue Jahr: Ziele setzen, die zu dir passen" wie ein konkreter Plan anhand von einem Beispiel aussehen kann. Lass dich inspirieren und nimm mit, was für dich gut passt. 🤍


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